Erde gleicht einer Kartoffel - Bayerischer Wald Verein Sektion Lam e.V.

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Erde gleicht einer Kartoffel

Das war!

Die Erde taumelt und gleicht einer Kartoffel

Lam. Die Sektion Lam im Bayerischen Waldverein lud letzten Samstag, 23. Juni 2018 zu einer Besichtigung des Geodätischen Observatoriums in Wettzell ein. 33 Teilnehmer folgten gespannt den Ausführungen von Dr. Dr. Alexander Neidhardt, der in einem Kurzvortrag in die komplizierte Materie der Erd- und Satellitenvermessung einführte. Der Leiter der Radioteleskopie erklärte, dass die Station in Wettzell eine der wichtigsten Institute sei, die die ständigen Veränderungen unseres Planeten beobachten. Seien es die tektonischen Kontinentalplattenbewegungen, der Vulkanismus, die Meeresspiegeländerungen durch die Eisschmelze infolge der Klimaerwärmung oder die durch Mond, Sonne und Planeten verursachten Gezeiten (Ebbe und Flut) der Meere, aber auch der festen Erde, die zwei Mal täglich bis zu 40 cm betragen können und Vieles mehr. Dabei bedient sich das wissenschaftliche Institut in dem kleinen Dorf im Bayerischen Wald, das für Geodäten auf der ganzen Welt ein Begriff ist, einer 20 Meter und zweier 12,5 Meter im Durchmesser großen Parabolantennen um kosmische Strahlungsquellen, sogenannte Millionen Lichtjahre entfernte Radiosterne (u.a. Galaxien, Supernova-Überreste), die Energie in Form von kurzen (elektromagnetischen) Radiowellen ausstrahlen, zu dedektieren und zweier Laserkanonen, deren Strahlen bis zum ca. 400.000 km entfernten Mond und zurück reichen. Damit werden Messungen zu Satelliten und Radiosternen durchgeführt, um Positionen von Punkten auf der Erde und die Lage und Orientierung der Erde im Weltraum permanent zu beobachten.

Diese Informationen dienen der Realisierung globaler Referenzsysteme, die für zahlreiche Aufgaben im Bereich der Geowissenschaften in der Raumfahrt, aber auch in Bereichen des alltäglichen Lebens die Grundlage bilden. Von etwa 200 Satelliten mit den vielfältigsten Aufgaben, darunter den GPS- Wetter- und Nachrichtendiesten, werden die Flugbahnen kontrolliert. Lokale Messungen für Zeit und Frequenz, Grafimetrie, Meteologie, Seismologie und permanente geodätische Vermessungen ergänzen das Programm.
Betreiber des Geodätischen Observatoriums sind das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt am Main und die Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie (FESG) der Technischen Universität München. Die Arbeiten sind eingebettet in das Forschungsprogramm der Forschungsgruppe Satellitengeodäsie (FGS), die zusätzlich folgende Institutionen einschliesst: das Institut für Astronomische und Physikalische Geodäsie (IAPG) der Technischen Universität München, das Deutsche Geodätische Forschungsinstitut (DGFI) München und das Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn (IGG).
Bevor die Gruppe zur Besichtigung der Anlage ging, zeigte der Wissenschaftler noch anhand von Graphiken dass die Halbachse der Erde zwischen 6357 und 6378 km beträgt, also einer Kartoffel ähnelt, die Erdachse gewaltig taumelt und die Bahn der Erde um die Sonne nicht kreisförmig ist sondern elliptisch und dass ein Lot nicht zum Erdmittelpunkt zeigt,sondern von Erdmassen abgelenkt wird.

Erstaunen löste dann die Vorführung der riesigen, tonnenschweren Parabolantennen aus, die scheinbar auf ihrem Fuß tanzen würden und die Besichtigung der Steuerzentrale einer der Laserkanonen. Bei der Einkehr beim Lindnerwirt in Bad Kötzting wurden die Eindrücke noch vertieft.
Otto Neidhardt, Lam
Foto: Die Gruppe der Waldvereinsmitglieder und Freunde vor der 20 Meterantenne. Rechts außen Dr. Dr. Alexander Neidhardt

 
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