Silber unterem Osser - Bayerischer Wald Verein Sektion Lam e.V.

Bayerischer Waldverein Sektion Lam e. V.
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Das Silber unterm Osser
 
Das Lamer Bergwerk war das älteste und reinste Silberbergwerk des Bayerischen Waldes

Alois Frisch referierte am 26. Oktober 2019
 
 
Bericht von Maria Frisch
 
 
„Im Lamer Bergwerk, dem lange Zeit nachgesagt wurde, dass es unrentabel war, wurden tonnenweise Silber abgebaut, so dass Generationen von Familien ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit unter Tage bestreiten konnten“, schilderte Alois Frisch, der bei der Waldvereinssektion Lam am Samstag, 26. Oktober 2019 im Saal des Gasthofes Stöberl über dieses Thema referierte.
 
 
Den pensionierten Lehrer faszinierten schon seit jeher die Bergbauära und die Leistung der Bergleute. Als zehnjähriger Bub war Alois Frisch oft beim Schwammerl suchen im Bucheter Wald. „Dort führte ein Stollen hinein, aus dem ich manchmal Geräusche vernahm“, war er damals hin und her gerissen von Neugierde und Angst. Im Gedächtnis sind ihm auch die großen Lastwagen geblieben, die vor der Rampe des Bergwerks mit dem Geröll aus der Tiefe beladen wurden und dieses zum Bahnhof verfrachteten. Immer wieder kam es zu schweren Verletzungen der Bergleute, so dass sie der graue VW-Bus des Roten Kreuzes holen musste.
 
 
Alois Frisch hat seit jeher über das Bergwerk gelesen, was ihm in die Finger kam. Die Öffnung in den Berg war nach der Schließung der Zeche zugesprengt und somit viele Jahre verrammelt. „Gott sei Dank sind die Stollen mittlerweile wieder zugänglich“, freut sich der Thürnsteiner. Bei seinen Recherchen stützte er sich auf die vorhandene Literatur von Otto Neidhardt, Johannes M. Wiegel, Ulrich Winkler sowie Dr. Schrötter. Ein Werk, das sich einzig und allein mit dem Bergbau befasst, ist das Buch „Das Silber unterm Osser“ von Thomas Obermüller. „Darin sind 550 Jahre Erz- und Heimatkunde aufgearbeitet“, lobte Alois Frisch dieses Werk.
 
Von jedem Ort – natürlich auch von Lam - gebe es mehrere Deutungen des Ortsnamens. Da Lom im Slawischen Steinbruch heißt, könnte der Name auch von diesem Völkerstamm herrühren. Thomas Obermüller hat noch auf einen keltischen Einfluss verwiesen, da „Llamos“ in dieser Sprache hoch aufsteigend bedeutet. Sicher sei, dass die Kelten ausgezeichnete Bergleute und Erzverarbeiter waren, auch wenn keine schriftlichen Dokumente vorhanden sind, dass sie sich jemals hier aufhielten. Die Karlsburg bei Berg Reichenstein in Böhmerwald wurde um 1300  von Karl IV  gebaut, um dort sein Gold aufzubewahren. Das gleiche haben die Kelten schon 2000 Jahre zuvor an der gleichen Stelle gemacht. Der Grundriss der verfallenen Keltenburg im Böhmerwald ist noch vorhanden. Die Kelten haben ebenfalls die Goldvorräte gehortet. „Also wäre es nicht so unwahrscheinlich, dass sie auch im Lamer Winkel waren“, schlussfolgerte Alois Frisch. Mit welchen Methoden sie die Erze aufgespürt und abgebaut haben, sei ein Rätsel.
 
 
 
1279 wurde in Lam ein großes Siedlungswerk begonnen, das aufblühte. Die Roder drangen bis an den Fuß des Arbers vor. Zunächst wurden die Dörfer auf der Südseite, nämlich Thürnstein, Silbersbach, Eggersberg, Lohberg gegründet. Um 1420 war fast der gesamte Lamer Winkel ausgerottet, weil die Hussiten die Höfe überfallen und die Tiere geraubt hatten, um  ein großes Heer zu versorgen. Begonnen wurde der Bergbau in der Oswald-Fundgrube, der heutigen Fürstenzeche. Die Herzoge Johann und Sigesmund von Bayern erteilten einem unbedeutenden Dorf wie Lam per Urkunde die Erlaubnis, in Schmelz und in Buchet im Boden zu graben. „Das war die erste Bergfreiheit“, wusste Alois Frisch über dieses wichtige Dokument. Die Bergleute  kamen aus Böhmen und dem Alpenraum und sie durften unbehelligt reisen sowie das Holz auf dem Gebiet der Grube nutzen. Damit wollte der  Herzog von Bayern den Bergleuten eine Sicherheit geben und den Bergbau fördern, der sich 550 Jahre hielt.
 
Geschürft wurde vor allem nach Silber. Alles andere waren Nebenprodukte. „Man schätzt, dass auch heute noch tonnenweise Zink, Bleierze und auch Silber im Boden lagern“, so Alois Frisch über die Ergiebigkeit der Bodenschätze. Ein Kilogramm Gestein enthielt drei Gramm Silber. „Das ist viel“, so der Referent. Außerdem fanden sie Quarz mit Eisen, Flussspat und Pyrit (sogenanntes Katzengold). Es habe fünf Stollen gegeben.
 
Die Beleuchtung stammte von Lampen, in denen Rinderfett, sogenannter Unschlitt,  verbrannt wurde. 1521 hat es eine neue Bestätigung des Landesfürsten gegeben: die Bergwerksordnung, die sich mit dem inneren Ablauf im Bergwerk befasste. Der wichtigste Mann war der Steiger. Weitere Berufe waren der Hauer, die Transporteure usw. Der unterste Arbeiter  musste  den Hunt schieben, das war ein Rollwagen. Es gab einen täglichen Markt, mit dem die Bergleute versorgt werden konnten. In Lam haben zu dieser Zeit ungefähr 600 Leute gelebt. Ein Drittel davon waren die Bergleute und ihre Familien. Sie hatten viele Kinder. Da mit dem täglichen Weg von Lam ins Bergwerk viel Zeit verloren ging, errichteten sie in der Nähe einen Bauernhof. „Das war der Bucheter, der frühere Moserhof. Dort wurden die wichtigsten Leute unter gebracht“, wusste Alois Frisch.
 
Die Betreiber wechselten vom Landesherrn über eine Gesellschaft bis zu zwei Geistlichen, die aus Meran stammten. Das waren die Brüder Pfister. Sie haben einen Fachmann aus Bozen beauftragt, für sie die Geschäfte zu führen. Etliche Kriege begleiteten die Bergwerksgeschichte. „Die Folgen mussten immer die kleinen Leute ausbaden“, so Alois Frisch.
 
Der Bremsschacht, der ins Bergwerk führt, war eine Meisterleistung der damaligen Zeit. Es gab eine Scheidkammer, wo das erzhaltige Gestein auf Glaubtischen getrennt wurde. Dann zerkleinerten sie es in Pochwerken auf Walnussgröße, um es dann zu verhütten. Alois Frisch zeigte ein äußerst primitiv wirkendes Bergeisen aus der Gründerzeit, mit dem sie den Felsen abgetragen hatten. Die Bergleute schafften acht Zentimeter am Tag. Mit Sprengungen in der Neuzeit waren es dann zwei Meter. Eine Methode aus dieser Zeit war das „Feuersetzen“, bei dem der  Stein erhitzt und dann mit kaltem Wasser abgeschüttet wurde. „Dabei zersprengt es ihn. Das war in Buchet nicht möglich, weil schon eine schlechte Luft vorherrschte. Da das Feuer Sauerstoff verbraucht, wären die Arbeiter erstickt“, schilderte der Thürnsteiner. In der Schmelz haben die Verantwortlichen Luftschächte  graben lassen, die zum Teil heute noch sichtbar sind.
 
Wie sah die Arbeit in der 43 Meter-Sohle aus? „Die Bergleute der Neuzeit hatten unglaublich mit Wassereinbrüchen zu kämpfen“, informierte Frisch. Der Referent verschaffte auch öfter einen Blick über den Tellerrand hinaus, beispielsweise als der Grubenbetreiber Baron von Katzenberger wegen Geldsorgen  nach Grün und Hammern auswanderte und am  Hübel Eisen geschmolzen hat. Das Erz dazu kam aus dem Eisensteiner Tal und wurde mit Pferdefuhrwerken transportiert. „Davon erhielt Eisenstraß seinen Namen“.
 
 
Kein Vorteil war für Lam die Vereinigung mit Bodenmais, das sich die lästige Konkurrenz vom Leibe halten wollte.  „Obwohl sie immer behaupteten, dass die  Grube in Lam unrentabel ist, kauften sie sie um 100.000 Goldmark. Dies ist an sich schon ein Widerspruch“, erklärte Alois Frisch. Der Silbergehalt des Erzes in Bodenmais war bei weitem nicht so gut und nur mit Verlust zu schmelzen. Deshalb sollte es mit dem Lamer Silber zusammen verarbeitet werden. „In Bodenmais wurde aus dem Gestein, das Schwefel und Eisen enthielt, Vitriol hergestellt, das man zur Haltbarmachung von gegerbten Fellen brauchte“, erläuterte der pensionierte Lehrer. Mit dem Vitriolverkauf haben die Bodenmaiser Gewinne erzielt.
 
Die Bergleute arbeiteten zehn Stunden am Tag einschließlich einer Brotstunde. Der Wochenlohn betrug für einen Hauer, die abgesehen vom Steiger am meisten verdienten, einen Gulden. Die Bergleute haben in zwei Schichten gearbeitet. Der Mesner in Lam läutete den Beginn mit den Kirchenglocken und wurde dafür vom Bergwerk bezahlt.
 
Innerhalb von 20 Jahren wurden 1,5 Tonnen Silber abgebaut. „Das war keineswegs unbedeutend.“ Die Erschließung als Besucherbergwerk war eine Meisterleistung. Beeindruckend sei, dass die Luft durch die Feuchtigkeit 200 bis 400 Mal reiner als außen ist. „Das Lamer Bergwerk war das älteste und reinste Silberbergwerk des Bayerischen Waldes“, schloss Alois Frisch.




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