Vortrag Totenbretter - Bayer. Wald-Verein Sektion Lam e. V.

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Totenbretter
Bericht  von Astrid Fischer-Stahl

Wer vorbei geht, möge ein Vaterunser beten
39 Totenbretter-Gruppen gibt es in und um Lam
Der Vortrag am 4.März 2023 zog zahlreiche Zuhörer an. Der Saal des Gasthof Stöberl war am Freitag fast komplett gefüllt, als Vorsitzender Franz Reuel neben Referent Andreas Roider auch Abordnungen von MMC und Trachtenverein sowie Pfarrer Trummer begrüßte.
Dieses Mal standen Totenbretter in und um Lam im Focus. Die gezeigten Aufnahmen hatte Andreas Roider über einen längeren Zeitraum selbst gemach.
„Es gibt viel mehr Totenbrettern bei uns als gedacht. Bei Wanderungen und Spaziergängen begegnen sie einem immer wieder“, berichtete Andreas Roider. Er ermunterte die Zuhörer zu schätzen, wie viele Gruppen, Anlagen mit mindestes einem Brett es wohl gibt. 39 mit insgesamt rund 180 Brettern hat im Zuge seiner Recherche erfasst, so die Antwort. Er unterteilte sie in solche von Vereinen gepflegte, solche für Verstorbene aus Ortsteilen, solche, die am Ort eines Unfalls oder Notfalles aufgestellt wurden und solche von Familien in privaten Anwesen. Es lohnt sich, die Bretter, die vor Kapellen, vor Bauernhöfen und an Wald- und Wegrändern stehen, in Ruhe zu betrachten und die Lebensgeschichten darauf zu lesen.
Andreas Roider wusste, dass es nicht mehr viele Gegenden gibt, in denen diese Tradition gepflegt wird. Eine davon ist der Lamer Winkel. Angesichts der zahlreichen Fotos hatten die Zuhörer Freude daran, zu erraten, um welche Totenbrettergruppe es sich handelt. Viele waren besten bekannt, doch es gab auch einige Überraschungen. Zu den meisten gehört ein Marterl oder Wegkreuz auf Steinsockel. Das sind die ältesten Teile, die Bretter wurden oft ausgetauscht, wenn eines verwittert war und inzwischen wieder jemand gestorben war. Auf kaum einen heute aufgestellten hat tatsächlich noch ein Toter gelegen. Darauf zielten auch die Fragen aus dem Publikum, die mehr über den Jahrhunderte alten Brauch und dessen Wandel wissen wollten. Gert Paulus und Christine Vogl zeigten sich hier als Kenner der Historie.
Das Totenbrett wurde auf die Größe des Verstorbenen zugeschnitten, meist über zwei Stühle gelegt und der in ein Leintuch gehüllte Leichnam daraufgelegt. Auf dem Brett ging es auch zum Friedhof, doch nicht immer wurde der Tote mit ihm begraben. Oft ließ man den Verstorbenen nur ins Grab gleiten, das Brett zog man wieder hoch. Man ließ es beschriften, fügte mehr oder weniger aufwändige Verzierungen hinzu und stellte sie auf. Der Stil weist nicht selten auf den Künstler hin.
Die Legende besagt, dass die Seele erst in den Himmel steigen konnte, wenn das Brett komplett verwittert war. Heute ist aus dem Lagerungs- ein Gedenkbrett geworden.
Viele Vereine kümmern sich um den Erhalt der Totenbretter und die Aufstellung neuer Tafeln, die an ihre verstorbenen Mitglieder erinnern, wie der Funk Klub an der Abzweigung zum Bergkircherl oder der Trachtenverein oberhalb der Jugendherberge. Die älteste Gruppe hat Andreas Roider neben dem Bergwachthaus ausgemacht. 1877 ist im Stein eingemeißelt.
Franz Reuel freute sich, dass die Zuhörer so interessiert nachgefragt haben. „Vieles gäbe es noch zum Thema zu sagen. Nicht zuletzt bieten die manchmal lustigen Sprüche auf en Brettern Stoff für einen weiteren Vortrag“, meinte der Vorsitzende. Es sei wichtig, dass das Wissen um Traditionen nicht verloren geht.
Auf vielen Fotos hat Andreas Roider die Totenbrettergruppen im Ort dokumentiert
Letzte Aktualisierung am 11. Mai 2023 Diese Website benutzt Cookies.
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