Historische Spurensuche führt zur Tauscheinöd
Die
Sektion Lam des Bayerischen Wald-Vereins lud am 3. Oktober 2026 bei herrlichem Herbstwetter zu einer
geschichtlichen Wanderung auf teils unmarkierten Wegen zum verlassenen
Bauernhof Tauscheinöd ein. Hans Liebl und Alois Dorner berichteten dabei von
wechselnden Besitzverhältnissen, harter Arbeit und dramatischen Ereignissen.
Die auf rund
950 Metern gelegene Tauscheinöd blickt auf eine jahrhundertelange Vergangenheit
zurück. Besonders anschaulich waren die Schilderungen von Alois Dorner, der auf
Erzählungen seines Vaters und Großvaters zurückgreifen konnte. Weitere historische
Angaben entnahmen die Referenten den „Gelben Bänden“ des Landkreises Cham.
Historischen
Unterlagen zufolge entstand die Tauscheinöd im Rahmen eines
Höhensiedlungsprogramms. Erstmals schriftlich erwähnt wurde er 1607. Die folgenden
Jahrhunderte waren von Seuchen, Krieg und wirtschaftlichen Umbrüchen geprägt.
Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde das Anwesen 1703 geplündert und
niedergebrannt. Mathias Kollmer errichtete den Hof 1721 erneut und baute oberhalb
ein Nebenhäusl.
Im 19.
Jahrhundert wechselte der Besitz mehrfach den Eigentümer und wurde zeitweise
zum Spekulationsobjekt. Dennoch blieben Teile der Tauscheinöd bewohnt. Später bestimmten
Weidewirtschaft, Holznutzung und Aufforstung das Gelände. Von 1924 bis 1934
wurde dort nochmals Milchvieh gehalten. Zeitweise sorgten sonntäglicher
Bierausschank und mit abwechselnder bayerischer und böhmische Blasmusik für
geselliges Leben.
Um 1970 wurde
eine Forststraße gebaut, 1974 der Besitz erneut aufgeteilt. Bis heute erinnert
ein Marterl an der Forststraße bei „Bärnhöhe“ an einen Einödbauern, der der
Überlieferung zufolge überfallen und erschlagen wurde. Wann sich die Tat
ereignete und wer dafür verantwortlich war, ist nicht eindeutig überliefert.
Die
Wanderung verdeutlichte eindrucksvoll, wie eng Landschaft, Siedlungsgeschichte
und persönliche Erinnerungen miteinander verwoben sind. Mit ihren fundierten
Erläuterungen ließen die beiden Wanderführer den verlassenen Hof als
anschauliches Zeugnis des früheren Lebens und Wirtschaftens im Grenzland
lebendig werden.
Der Rückweg
führte über den Kramerriegel. Dort zeigt das Gipfelkreuz bereits deutliche
Spuren der Zeit und verfällt zusehends. Über das Rote Kreuz ging es
anschließend am Kamm entlang zum Tanneneck.
Nach den
historischen Eindrücken durfte eine gemütliche Einkehr nicht fehlen. Auch das
langjährige Mitglied Georg Brandl nutzte die Gelegenheit, sich dem geselligen
Teil anzuschließen. In geselliger Runde ließ die Wandergruppe den Herbsttag
ausklingen.